Anthroposophische Bildung im Sozialwesen

Vertrag der UN-Konvention:

>>Text hier einsehbar

 

Stellungnahme der STK:

>>Hier Position zum Thema Inklusion

Heilpädagogik und
Inklusion

„Die heilpädagogische Haltung kommt erst dort zustande, wo eine neue Demut im Herzen zu wachsen beginnt, die in allem was Menschenantlitz trägt, den Bruder erkennt." (Karl König)

Moderne Heilpädagogik begibt sich ständig neu auf die Gratwanderung zwischen der Notwendigkeit individueller Förderung für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf und dem berechtigten Anspruch auf Teilhabe an der Gesellschaft.

Inklusion bedeutet einen radikalen Schritt von der defizitorientierten Definition eines Menschen über seine Behinderung oder andere Einzelmerkmale hin zu einer ressourcenorientierten Wahrnehmung jedes Menschen. Auf diese Weise verschwinden entwicklungshemmende Festlegungen. Sie werden ersetzt durch eine authentische Begegnung zwischen Ich und Du, jenseits von Behinderungen, Traumatisierungen oder Einseitigkeiten, die jeder Mensch in sich trägt.

Inklusion sieht jede Form von "Behinderung" als integralen Teil der menschlichen Existenz und fordert die Gesellschaft heraus, individuelle Bedingtheiten, wie sie jeder Mensch mit sich trägt, als Quelle kultureller Bereicherung wertzuschätzen (Diversitätsansatz). In diesem Sinne kann es nicht um eine "Integration" von Menschen mit Behinderungen in eine diese Menschen aufnehmende Gesellschaft gehen, sondern um eine Entwicklung der gesamten Gesellschaft dahingehend, dass jeder Mensch als Individuum ohne Bedingung an allen Aspekten des kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens Teil haben kann und in seinem So-Sein wertgeschätzt wird.

Dass unsere Gesellschaft von diesem Ziel noch weit entfernt ist, ist dabei ebenso deutlich wie die Tatsache, dass keineswegs geklärt ist, wie der Spagat zwischen der Notwendigkeit individueller Förderung von Menschen mit schweren Behinderungen und dem Recht auf Inklusion in die Gesellschaft, die nur allzuoft keine inneren wie äußeren Räume für diese Förderung bereitstellt, gelöst werden soll. Auch kann es in einem inklusiven Ansatz selbstverständlich nicht darum gehen, das oft mit einer Behinderung verbundene Leid für die Betroffenen und ihre Familien schönzureden. Es ist normal, verschieden zu sein, aber manchmal ist es sehr schwer, eine Behinderung zu haben.

Daher führt der berechtigte und in der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen beschlossene Anspruch auf inklusive Teilhabe zu komplexen Fragestellungen in Pädagogik und sozialer Arbeit, deren Beantwortung noch lange dauern wird und das Engagement  sämtlicher Mitglieder der Gesellschaft benötigt. Zu diesem Engagement gehört auch die grundlegende Erkenntnis eines jeden einzelnen, ebenfalls auf Inklusion angewiesen zu sein. Die anthroposophische Heilpädagogik hat durch die Hinweise von Rudolf Steiner auf Einseitigkeiten in jedem von uns in gewisser Weise von Beginn an jeden Heilpädagogen dazu aufgefordert, den Menschen als Ganzes sozusagen "inklusiv" wahrzunehmen. Rudolf Steiner stellte diesen Gedanken an den Anfang seiner Vortragsreihe "Heilpädagogischer Kurs", indem er gleich zu Beginn sagte: "Man möchte sagen, irgendwo in einer Ecke sitzt bei jedem Menschen im Seelenleben zunächst eine sogenannte Unnormalität."

Das Rudolf-Steiner-Seminar bietet eine Plattform, in welcher ein Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ebenso entstehen kann wie ein Bewusstsein davon, dass ein enger Zusammenhang zwischen "Begabung" und "Behinderung" besteht und daher nur ein ressourcenorientierter Blick auf den einzelnen Menschen dessen Lebenswirklichkeit und Entwicklungs-Sehnsucht entspricht. So hoffen wir, auf dem langen Weg zu einer echten Inklusion, als Weiterbildungseinrichtung nach und nach einen Beitrag zu dieser weitreichenden und wichtigen Umwälzung unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit zu leisten.

Träger: Karl-Schubert-Gemeinschaft e.V. - Weitere Infos unter www.ksg-ev.eu